Logo der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

lvlt2024 (Latin vulgaire – latin tardif)

Menu

Ludwig Traube (1861-1907)

Ludwig Traube war der Inhaber des ersten Lehrstuhls für Mittellatein in Deutschland. Von 1904 bis zu seinem frühen Tod 1907 hatte er an der Universität München eine ordentliche Professur für Lateinische Philologie des Mittelalters inne.

Traube lernte in seinem Elternhaus in Berlin Theodor Mommsen (1817-1903) kennen und hatte deshalb frühzeitig Kontakt mit den Monumenta Germaniae Historica (MGH). Er studierte in München Klassische Philologie und promovierte 1883. Ein Jahr später arbeitete er im Rahmen der MGH an der Herausgabe der Poetae latini aevi carolingici mit. Seit 1888 habilitiert, gelang es ihm als Jude erst sehr spät, eine reguläre, bezahlte Professur zu erhalten.

Traube gilt als Begründer des Mittellateinischen als Universitätsfach. Entscheidend war seine ausschließliche Konzentration auf mittelalterliche lateinische Autoren, aber vor allem seine Forschungen zur spätantiken und mittelalterlichen Paläographie, die ihm eine illustren Schülerkreis eröffnete. Paul Lehmann (1884-1964), sein späterer Nachfolger, war unter seinen Schülern, ebenso E. A. Lowe (1879-1969), der bei Traube mit seiner bahnbrechenden Arbeit zur Beneventana promovierte.

Traube war von 1900 bis zu seinem Tod Fahnenleser beim Thesaurus. Außerdem war er seit 1896 außerordentliches, seit 1899 ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.  Wir haben ihn als Namensgeber gewählt, um die enge Verbindung zwischen dem Thesaurus und anderen altertumswissenschaftlichen Projekten der von Theodor Mommsen begründeten „Großwissenschaft“ in Erinnerung zu rufen und um einen Wissenschaftler zu ehren, dem es gelangt, neue Perspektiven für die latinistische Forschung zu eröffnen.