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Auf den Spuren von Arbeo von Freising (Bischof von Freising 764/65-783)

Dum minime explendi ceptum iter licere se agnosceret, prospiciens ipsam terram optimam, superficie amoenam, nemorosis locupletem, vino copiosam, ferro superfluam, auro et argento et purporis habundantem, proceros viros et robustos, caritate et humanitate fundatos, humum fertilem et segetum habundantem, iumentis et gregum omniumque, ut pene superficies telli coopertus esse videbatur, melli et apium copia epode habundans, piscium multitudine in stagnis et in amnis infusa, prospicuissimis fontibus et rivolis inrigua, sale, prout opus erat, condita (Arbeo, Vit. Em. cap. 6).

„Er sah jedoch ein, dass es ihm nicht vergönnt sein werde, die vorgenommene Reise auszuführen. Deshalb schaute er das Land an: es war sehr gut, lieblich anzusehen, reich an Hainen, wohlversehen mit Wein. Es besaß Eisen in Fülle und Gold, Silber und Purpur im Uberfluß; seine Männer waren hochgewachsen und stark, auf Nächstenliebe und Sitte gegründet. Das Erdreich war fruchtbar und brachte üppig Saaten hervor, und der Erdboden schien von Vieh und Herden aller Art fast bedeckt zu sein; Honig und Bienen waren wahrlich in reichlicher Menge vorhanden. In Seen und Flüssen gab es Fische in großer Zahl; das Land war von klaren Quellen und Bächen bewässert und besaß an Salz, soviel es bedurfte.“

Dies ist eine der ersten Beschreibungen von Bayern. Wir schauen hier durch die Augen des Heiligen Emmeram, der Mitte des 7. Jhrs. zum ersten Mal an seiner zukünftigen Wirkstätte ankommt. Erfasst hat die Geschichte Arbeo von Freising im 8. Jhr.

Freising

Vor 1300 Jahren kam ein anderer Missionar, Korbinian, nach Freising, wo er als erster Bischof gewirkt haben soll. Sein Nachfolger im Amt, Arbeo vom Freising, hat neben dem Leben von Emmeram auch sein Leben dargestellt, angereichert mit den typischen Elementen eines Heiligenlebens.

Im 8. Jhr. sind wir in der Zeit der Agilolfinger in Bayern. Noch unter Theoderich war Raetia II, wozu große Teile von Bayern gehört haben (mit Augsburg, Regensburg und Passau als wichtigsten Städten), die nördlichste Verteidigungszone des Römischen Reichs. Danach wurde es der südöstliche Grenzraum des Merowingerreichs. Als Verwalter wurden Herzögen aus dem Geschlecht der Agilolfinger eingesetzt, denen auch Teile des früheren Noricum (Salzburg) gehörten. Nach der Eroberung der Langobardenreichs durch Karl den Großen 774 unterwarf er 787 Tassilo, den letzten agilolfingischen Herzog. Bayern kam unter direkte Herrschaft der Karolinger.

Über die Zeit der Agilolfinger erzählt uns die Ausstellung im Diözesanmuseum Freising Tassilo, Korbinian und der Bär. Das Museum liegt an der geschichtsträchtigsten Stelle in Freising: auf dem Domberg. Dieser Berg war zum Beginn des 8. Jhr. Burg und Herzogpfalz der Agilolfinger. Hier befand sich auch eine Marienkirche, die schon bald Bischofskirche wurde. Der Ursprung des jetzigen Doms geht auf die romanische Zeit zurück, die Kirche wurde aber im Laufe der Jahrhunderten immer wieder umgebaut. Daneben gab es eine Talsiedlung und auf dem gegenüberliegenden Hügel ein Kloster, wo sich jetzt die Brauerei Weihenstephan befindet.

Wir werden die Ausstellung sowie den Dom besuchen.

Vita s. Corbiniani episcopi Frisingensis

Lebensbeschreibung des hl. Korbinian, Bischof von Freising († um 730), eine der wichtigsten Quellen zur Geschichte Bayerns im 8. Jh., Das Werk ist vermutlich anlässlich der Translation von Korbinians Gebeinen nach Freising um 765 verfasst und Bischof Virgil von Salzburg gewidmet.

B. Krusch, Arbeonis episcopi Frisingensis Vitae sanctorum Haimhrammi et Corbiniani (MGH SS rer. Germ., 13), 1920, 26-99 (dMGH)

B. Bischoff, Arbeo: Vita et passio Sancti Haimhrammi Martyris, Leben und Leiden des hl. Emmeram. Lateinisch - deutsch (Tusculum-Bücherei), München 1953, 7-83.